Vitaminanleitung

Ob ich denn wüsste, wie man das anwendet, wollte die Kassiererin wissen, als ich die Packung mit den Vitaminfläschchen bezahlte und schaute dabei, als könnten das nur Leute wissen, die in derlei Geheimwissenschaften eingeweiht sind. Was kann daran schon schwierig sein, dachte ich und antwortete, die seien für meine Frau und dass die sicher wisse, wie die angewendet werden. Sie frage das nur sicherheitshalber und sie selbst wende sie auch an, meinte die Kassiererin wiederum.

Natürlich hielt ich es nicht für nötig, weitere Fragen zu stellen oder etwa irgendwelchem Geheimwissen nachzuspüren. Man schüttelt so eine Miniflasche, dreht den Deckel ab und trinkt die Essenz – was sonst?

Sicherheitshalber fragte ich meine Frau zuhause doch noch, ob sie denn wisse, wie ein solches Mittel einzunehmen sei. Sicherheitshalber eben. Sie schien auch fest überzeugt zu sein, das bisher richtig getan zu haben und dass es dazu weder ein höheres Studium, noch einen Doktortitel oder ähnliches benötige.

Als ich später eine geleerte Mini-Flasche sowie den abgeschraubten Deckel auf dem Tisch fand, wurde ich plötzlich stutzig. Die innere Konstruktion des Deckels machte mich neugierig. Irgendetwas schien damit nicht normal zu sein, also vielleicht doch ein Geheimnis?

Vitamine1

So nahm ich das Fläschchen und schaute nach einer Erklärung. Zu meinem Erstaunen fand ich eine ziemlich gute Erklärung, sogar eine Gebrauchsanleitung auf engstem Raum:

Vitamine2

Da hatten wir’s: man muss den Deckel zuerst so weit zudrehen, dass die Sicherung geknackt wird und dann noch weiter drehen, also ganz zudrehen. Dann erst wird der kleine Behälter im Deckel geknackt und die Vitamine gelangen in das Fläschchen. Somit trinkt jeder, der den Deckel nur bis zum Knacken der Sicherung eindreht, nur Zuckerwasser – die Vitamine bleiben im Deckel und werden entsorgt. Wie fatal. Wieviele Vitamine mögen von diesem Produkt schon im Mülleimer gelandet sein, weil der Nutzer die Gebrauchsanleitung nicht gelesen hat?

Zurück zu unserer Kassiererin. Weil die Anleitung so in der Form leicht übersehen wird, müssen jetzt schon die Kassiererinnen einspringen. Eigentlich muss stattdessen ein Konzept her, wie man den Nutzer besser darauf aufmerksam machen kann, dass es eine Gebrauchsanleitung gibt und dass es zu empfehlen ist, diese auch zu lesen und anzuwenden. Denn: wer liest so etwas wirklich? Wahrscheinlich die wenigsten Vitamintrinker! Vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeiten, den Anwender dazu zu bringen, den Fläschchentext zu lesen?  Jemand eine Idee?

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