Suchen Sie Stories für Ihre Anleitungen!

So ein wenig komme ich mir schon ab und zu vor wie ein Animateur. Ein Animateur ist jemand, der unterschiedlich willige Mitmenschen zu etwas animiert, das sie normalerweise nicht tun würden. Nun wird der Animateur in der Regel einigermaßen gewillte Kandidaten zu motivieren haben, im Gegensatz zum Autor technischer Anleitungen, der oft den Eindruck hat, er müsse eigentlich Unwillige zu etwas bringen, das sie nicht mögen. Meine Aufgabe sehe ich nun nicht unbedingt darin, die manchmal bedauernswerten Nutzer dazu zu überreden, meine Werke oder die anderer Autoren zu lesen. Überreden ist keine gute Basis. Die Basis sehe ich woanders und möchte diese entwickeln. Zum Beispiel, indem ich mir überlege, wie ich in meine Anleitung Mehrwert einbauen kann. Einen bestimmten oder sogar mehrere. Das können besondere Funktionen oder Tricks sein, die ich durch eigene Tests oder Recherche über die Erkenntnisse anderer Nutzer recherchiert habe.
Hinweis: Dieser Artikel ist vor kurzem in der Onlinepublikation „Technische Dokumentation“ bei WEKA Media erschienen.

Überlegen Sie ...

Erstellen Sie keine 08/15-Anleitungen, sondern überlegen Sie, was eine Anleitung attraktiver für den Nutzer machen könnte. Welchen Mehrwert können Sie in welche Anleitung einbauen?

Redner wissen um den Mehrwert interessanter Geschichten, womit sich die Disziplin des Storytellings beschäftigt. Nichts ist bei Rednern so langweilig, wie eingefahrene Muster und vorhersagbare Sätze und Wendungen. Im Gegensatz dazu stehen Redner wie ehemals Steve Jobs, die es meisterhaft verstehen, technische Sachverhalte so zu präsentieren, dass sie einem großen Publikum noch lange in Erinnerung sind. Warum nicht auch bei Anleitungen einen Schritt weiter gehen und Prinzipien des Storytellings anwenden? Erklärungen können trocken sein, müssen es aber nicht. Technische Sachverhalte können sachlich und langweilig präsentiert werden, was oft der Fall ist, oder aber interessant und ansprechend. Vielleicht kommt es doch auf den Erzähler an? Fesselnde Erzählkunst wäre sicher nicht angebracht, dazu gibt es andere Genres. Eine Anleitung jedoch interessant zu verpacken, könnte eine Herausforderung sein.

Telefonbuch oder Action-Krimi?

Bisher lagen die Vorgaben für die Gestaltung einer Anleitung auf einer Skala zwischen Telefonbuch und Actionkrimi ziemlich nah am Telefonbuch. Es könnte Zeit sein, die Gewichtung etwas weiter Richtung Action zu verschieben. Vielleicht gibt es bereits interessante Beispiele dazu. Diese sollten wir zur Prüfung heranziehen. Es muss doch möglich sein, den Nutzer mehr zum Lesen zu animieren, als bisher!

Beispiele begegnen mir immer wieder und ich bin dann erfreut darüber, dass Autoren genau in dieser Richtung aktiv werden und ihre Ideen umsetzen. Das Biker’s Manual besticht z.B. bereits auf dem Cover durch ein haptisch ansprechendes Vorderrad und eine klare, farbenfrohe und strukturierte Gestaltung.

Bild: Das Biker’s Manual; nicht nur das Cover motiviert zum Lesen.

Es macht sofort neugierig auf den Inhalt und der Leser wird nicht enttäuscht. Das Manual beginnt mit Testimonials zweier Biker, gehen also genau in die Richtung des erwähnten Storytellings, und enthält kurze aber sehr praxisgerechte Tipps, größtenteils mit Abbildungen. Selbst ohne konkreten Anlass nehme ich das Manual gerne zur Hand.

Wir werden dieses kurze Streiflicht weiter ausführen, denn das Thema ist eine immerwährende Herausforderung für mich, denn ich bin ein klarer Befürworter des Storytelling-Ansatzes und Gegner der These, Dokumentation müsse langweilig sein.

Dienstleistungen, Wissenswertes und Expertenbeiträge: Themen rund um die Technik-Dokumentation.