Schockierende Sicherheitshinweise: sind Batterien wirklich lebensgefährlich??

Vor kurzem habe ich mir ein LED-Schranklicht gekauft für meinen Werkzeugschrank. Dieser steht in einer dunklen Ecke meines Büros und es war bisher mühsam, sich darin zu orientieren. Um dies zu optimieren, kaufe ich mir also eine, wie mir scheint, einfache Lampe, weiter nichts.

Wie erstaunt bin ich dann Zuhause, als ich die Anleitung auspacke. Es handelt sich dabei um ein DIN A-4 Faltblatt, auf Vorder- und Rückseite finde ich je eine Sprache aufgedruckt. Es ist ein ganzes Paket an Anleitungen beigelegt, 4 Blätter, das macht 8 Sprachen. Ich bin beeindruckt und frage mich, wozu ich für dieses Produkt überhaupt eine Anleitung brauche?! Ich lege die Batterien ein, befestige die Lampe, schalte sie ein – fertig! Oder doch nicht?

Hinweis: Dieser Artikel ist im Praxishandbuch „Technische Dokumentationen“ bei WEKA Media erschienen.

Ich staune nicht schlecht beim Anblick der Sicherheitshinweise, die 50% der Anleitung einnehmen. Und erkenne beim Lesen, dass meine Lampe gefährlich für Kinder ist, weil sie die Mignonbatterien verschlucken könnten (!), und weiterhin, dass man sich verletzen und Sachschäden verursachen kann. Nicht mit den Batterien, sondern mit dem Gerät, wenn es z.B. beim zu heftigen Öffnen des Stahlschranks im Raum umherfliegt und meine Ming-Vase zerschlägt.

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Bild 1| Umfangreiche Sicherheitshinweise für das Schranklicht

Nach eingehendem Studium der Sicherheitshinweise ist mir etwas zwiespältig zumute. Einerseits sind einige der Hinweise und Warnungen durchaus nachvollziehbar und ich halte sie für wichtig. Andere hingegen erscheinen mir fast als zum Allgemeinwissen eines Durchschnittsverbrauchers zu gehören.

Geheimnisvolle Sicherheitshinweise

Andere wiederum sind mir nicht klar genug. Zum Beispiel gibt es einige Formulierungen, die von „übermäßiger Wärme“ oder „extremen Temperaturen“ sprechen. Was darf ich darunter verstehen? Oder: schützen Sie den Artikel vor Staub. Wie viel Staub verträgt der Artikel? Auch der Magnetismus der Lampe ist ein zweischneidiges Schwert: ich kann die Lampe damit in meinem Stahlschrank befestigen, kann damit aber auch den Magnetstreifen meiner Kreditkarte ruinieren. Langsam dämmert mir, dass ich ein gefährliches, ja geradezu unberechenbares Produkt erworben habe.

Mir kommt es so vor, als würde der Hersteller dem Nutzer aber auch nicht das geringste Quentchen gesunden Menschenverstand zutrauen. Sicher, er muss sich absichern, aber wer sagt, dass bei den Eventualitäten, die meine Anleitung jetzt berücksichtigt, nicht noch welche fehlen?

Besonders die Hinweise bezüglich der Batterien finde ich zum Teil entbehrlich. Es sollte sich z.B. endgültig herumgesprochen haben, dass man Batterien grundsätzlich einfach nicht ins Feuer wirft. Oder dass Batterien nicht wiederaufladbar sind, sondern nur Akkus. Etwas unglücklich ist in dieser Hinsicht, dass für Akkus nicht nur in Englisch die Bezeichnung „wiederaufladbare Batterien“ verwendet wird, sondern auch in den Gesetzestexten, die dann auch für entsprechende Hinweise und Erläuterungen so übernommen werden, aber das nur nebenbei.

Was sagt eigentlich das Batteriegesetz?

A propos Batterien und Akkus: es gibt ein Batteriegesetz, dieses ersetzte ab dem Jahr 2009 die seit 1998 geltende Batterieverordnung. Das Batteriegesetz setzt die Richtlinie 2006/66/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 6. September 2006 über Batterien und Akkumulatoren sowie Altbatterien und Altakkumulatoren und zur Aufhebung der Richtlinie 91/157/EWG in nationales Recht um – diese Richtlinie ersetzt die bisher geltende Richtlinie 91/157/EWG des Rates vom 18.März 1991 über gefährliche Stoffe enthaltende Batterien und Akkumulatoren, die im Unterschied zur Richtlinie 2006/66/EG lediglich für Batterien galt, die Quecksilber, Blei oder Cadmium enthalten und insbesondere Knopfzellen ausklammerte. Das Batteriegesetz (BattG) regelt das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltgerechte Entsorgung von Batterien und Akkus. Im Batteriegesetz ist auch die Registrierungspflicht des Herstellers bzw. der Rücknahmestellen beim Umweltbundesamt geregelt.

Neuregelung seit Oktober 2015

Die Neuregelung des Batteriegesetzes ist Ende November bzw. Anfang Oktober 2015 in Kraft getreten. Es geht darin vorwiegend um die neue Registrierungspflicht von Unternehmern, die Batterien und Akkus erstmalig in Verkehr bringen sowie um die Hinweispflichten des Vertreibers.

Der Hersteller ist verpflichtet, Batterien zu kennzeichnen, bei denen die Grenzwerte der giftigen Stoffe überschritten werden. Die Grenzwerte lauten wie folgt:

  • 0,0005 Masseprozent Quecksilber (Hg)
  • 0,002 Masseprozent Cadmium (Cd)
  • 0,004 Masseprozent Blei (Pb)

Laut BattG muss die Kennzeichnung  „vor dem erstmaligen Inverkehrbringen gemäß den Vorgaben nach den Sätzen 2 und 3 sowie nach den Absätzen 4 und 5 mit den chemischen Zeichen der Metalle (Hg, Cd, Pb)“ erfolgen, bei denen der Grenzwert überschritten wird. Die Zeichen sind laut Gesetzestext „unterhalb des Symbols nach Absatz 1 aufzubringen“, also unterhalb der durchgestrichenen Mülltonne.

Seit Oktober 2015 dürfen Batterien, die den obigen Quecksilberanteil überschreiten, nicht mehr in den Handel gebracht werden, für Batterien, die zu viel Cadmium enthalten, gibt es noch eine Frist bis Januar 2017.

Für „schnurlose Elektrogeräte“, die cadmiumhaltige Batterien enthalten, wurde eine Frist bis 31.12.2016 gesetzt.

Zur Neuregelung überfliege ich das diesbezügliche Bundesgesetzblatt, das detailliert die Änderungen jedes Punktes und jedes Kommas dokumentiert, solche Texte sind die Krönung unseres deutschen Beamtentums und man liest so etwas normalerweise nicht mal unter Zwang.

Die besten Batterien sind leider auch die giftigsten

Das Batteriegesetz gilt für Batterien und Akkus, wobei es Ausnahmen gibt für Produkte, die in militärischen und medizinischen Bereichen eingesetzt werden. Warum das so ist, sollte aus den folgenden Beschreibungen der Batterie- und Akkutypen deutlich werden. Nur so viel: Es sind im militärischen und im medizinischen Bereich Energiezellen nötig, die sehr zuverlässig und langlebig sind. Die Batterietypen, die dahingehend besonders geeignet sind, sind ausgerechnet diejenigen, die leider Giftstoffe enthalten, die Verwendung darf somit nicht durch das Batteriegesetz ausgehebelt werden, daher die Ausnahmen.

Wissenswertes über Batterien und Akkus

Einige Hinweise über Batterien sind erst mit dem nötigen Hintergrundwissen zu verstehen. Im Sinne einer Information nach dem SAFE-Prinzip ist es je nach Fall nicht verkehrt, dem Nutzer nicht nur zu sagen, was er nicht tun sollte, sondern auch warum.

Batterien (Primärzellen, nicht wieder aufladbar)

Die folgende Auflistung beschreibt nur die wichtigsten Typen, von einigen gibt es zahlreiche Varianten, die verschiedene Stoffe, wie Elektrolyte verwenden.

Zink-Kohle-Batterien

Einfachste Batterie, die keine Flüssigkeiten enthält und daher auch als Trockenbatterie bezeichnet wird. Vorläufer dieses Typs wurden von dem französischen Chemiker Georges Leclanché um 1866 entwickelt und zum Patent angemeldet.

Spannung: 1,5 V

Alkali-Mangan-Batterien

Weiterentwicklung der Zink-Kohle Batterie mit verbesserter Leistung und Haltbarkeit. Bei Kurzschluss oder Überhitzung kann die Batterie platzen, daher ist im Boden eine Platte aus Kunststoff eingebaut, die als Überdruckventil wirkt.

Spannung: 1,5 V

9-Volt-Blockbatterien

Bei einer 9-Volt-Blockbatterie sind 6 Zellen zu je 1,5 Volt in Reihe geschaltet.

Knopfzellen

Knopfzellen wurden im Zuge der Ausbreitung sehr kleiner Geräte entwickelt, z.B. für Hörgeräte oder medizinische Implantate, Uhren, Stiftlaserpointer und vieles mehr.

Die in den 1960er Jahren verwendeten Zink-Quecksilberoxid-Knopfzellen werden heute nicht mehr verwendet, weil bei diesen Batterien das giftige Quecksilber entsteht.

Spannung: 1,35 Volt

Später wurden Zink-Silberoxid-Knopfzellen entwickelt, bei deren Verwendung entsteht Silber, das wiederverwertet werden kann.

Spannung: 1,5 Volt

Zink-Luft-Knopfzelle

Hier wird Kohle als Kathode verwendet, die Kontakt mit der Außenluft hat. Diese Knopfzellen liefern eine sehr konstante Spannung, die sehr lange auf dem Höchststand gehalten wird. Daher werden sie gerne für Hörgeräte verwendet, größere Typen werden als Energieversorgung für Baustellenlampen eingesetzt.

Spannung: 1,4 Volt

Lithiumbatterien

Eigentlich Lithium-Mangandioxid-Batterien, liefern eine etwa doppelt so hohe Spannung wie herkömmliche Batterien, das ermöglicht u.a. eine platzsparende Verwendung in kleinen Geräten.

Spannung: 3 Volt

Akkus (Sekundärzellen, wiederaufladbar)

Bleiakkus

Entwicklung: um 1854

Bleiakkus liefern eine Spannung von etwa 2 Volt und eine sehr hohe Stromstärke. Für eine Spannung von 12 Volt werden 6 Zellen in Reihe geschaltet. Sie werden vorwiegend in Kraftfahrzeugen eingesetzt, dort sind hohe Stromstärken z.B. zum Starten des Motors nötig. Dies beinhaltet allerdings auch Gefahren durch elektrischen Strom. So kann ein Kurzschluss zu Überhitzung und Kabelbränden führen, auch bei relativ kurzer Dauer. Gefährlich ist bereits eine kurze Überbrückung der Batteriepole, z.B. unbeabsichtigt durch ein Metallwerkzeug. Beim Abklemmen einer Fahrzeugbatterie sollte zuerst der Minuspol abgeklemmt und isoliert werden. Bei Bleiakkus besteht die Gefahr einer Bildung von Wasserstoff durch Überladen. Es sollte regelmäßig die Füllhöhe kontrolliert und ggf. mit destilliertem Wasser nachgefüllt werden. Bleiakkus dürfen nicht zu stark entladen werden, da sie sonst zerstört werden. Pro Zelle sollte eine Spannung von 1,8 Volt nicht unterschritten werden.

Spannung: 2 Volt pro Zelle

Nickel-Cadmium-Akkus

Entwicklung: um 1900

Dieser Akkutyp zeichnet sich durch eine große Haltbarkeit aus, da sich der Elektrolyt nicht verändert, wie z.B. beim Bleiakku. Er wurde in der Vergangenheit sehr häufig eingesetzt, u.a. auch in Systemen der Raumfahrt. Aufgrund der Beschränkungen durch das Batteriegesetz hinsichtlich des Cadmiums dürfen diese Akkus seit 2009 nur noch für Alarmsysteme und für medizinische Geräte verwendet werden. Dieser Batterietyp ist besonders bekannt für den Memory-Effekt.

Spannung: 1,2 Volt

Nickel-Metallhydrid-Akku

Ähnlicher Aufbau wie ein Nickel-Cadmium-Akku. Zeigt keinen Memory- jedoch den Lazy-Battery-Effekt. Dazu kommt, dass dieser Akkutyp sich auch bei Nichtgebrauch selbst entlädt. Daher ist er für Geräte, bei denen es auf Zuverlässigkeit und Sicherheit ankommt, nicht geeignet.

Spannung: 1,2 Volt

Lithium-Ionen-Akku

Leistungsfähiger Akku, der kaum Memoryeffekte zeigt, jedoch ein spezielles Lademanagement erfordert in der Hinsicht, dass er weder völlig entladen, noch dauerhaft voll aufgeladen betrieben werden darf, da sich sonst die möglichen Ladezyklen verringern.

Spannung: ca. 3,6 – 4 Volt

Lithium-Polymer-Akku

Diese Weiterentwicklung des Lithium-Ionen-Akkus ermöglicht durch folienartige, sehr dünne Elektrolyte sehr individuelle und gehäuseunabhängige Bauformen für die Stromversorgung von flachen Geräten, z.B. Mobiltelefonen, Tablets oder Notebooks. Der Akkutyp ist temperatursensibel und empfindlich gegen Überladung, er kann sich im Extremfall bei Überladen selbst entzünden. Es werden spezielle Netzteile verwendet, die bei Verlust nicht gegen ungeeignete Netzteile getauscht werden dürfen.

Spannung: 3,7 Volt

Unerwünschte Effekte

Lazy-Battery-Effekt

Wird ein Nickel-Metallhydrid-Akku vor dem vollständigen Entladen wieder aufgeladen, liefert der Akku eine geringere Spannung. Diesen Effekt kann man durch mehrfaches vollständiges Entladen und Wiederaufladen beheben.

Dieser Effekt tritt dann unfreiwillig ein, wenn ein Gerät den Entladungszustand der Akkus zu früh anzeigt. Dem kann durch vollständiges Entladen mit einem entsprechenden Ladegerät, das diese Funktion unterstützt, abgeholfen werden.

Tipp:

Weisen Sie auf diesen Sachverhalt bei Geräten hin, die diesen Batterietyp verwenden, damit der Nutzer die maximale Akkuleistung erhält.

Memory-Effekt

Werden Nickel-Cadmium-Akkus vor dem völligen Entladen wieder aufgeladen, führt dies zu einem bleibenden Leistungsverlust des Akkus. Dies kann somit nicht wie beim Lazy-Battery-Effekt behoben werden. Verhindert werden kann der Effekt nur durch vollständiges Entladen, z.B. durch ein Ladegerät, das diese Funktion unterstützt, verhindert werden.

Wie gefährlich sind Batterien und Akkus wirklich?

Angst vor Vergiftung generell unbegründet

Das Magazin Focus hat zu dieser Frage recherchiert und seine Ergebnisse Mitte 2015 publiziert. Danach sind allzu große Ängste hinsichtlich Vergiftungsgefahren generell unbegründet. Sind es doch nicht die giftigen Chemikalien, wie Quecksilber oder Cadmium, die beim Auslaufen einer Zelle austreten, sondern die Elektrolyte. Diese können zu leichten Laugen- oder Säureverätzungen führen, allerdings kann dies durch ausreichendes Spülen mit Wasser verhindert werden. Die eigentlich giftigen Substanzen, z.B. Quecksilber oder Cadmium, finden sich an den Elektroden, die nur bei Beschädigung einer Zelle zugänglich werden. Zudem finden sich nur sehr geringe Mengen dieser Substanzen in Batterien und Akkus, die zudem durch das Batteriegesetz weiter begrenzt wurden. Daher ist z.B. bei Verschlucken in der Regel kein Eingriff nötig, es sei denn, eine Knopfzelle gelangt nicht in den Magen, sondern bleibt z.B. in der Speiseröhre hängen. Im Regelfall ist eine Beobachtung des Vorgangs bis zur natürlichen Ausscheidung der Zelle ausreichend.

Technik-Redakteure sollten die Aussagen zu Batterien überarbeiten

Diese Aussagen sollen die Gefahren durch Batterien keinesfalls verharmlosen, aber zu einem angemessenen Umgang damit auffordern. Vor allem sollten Technik-Redakteure sinnvolle und ausreichende Informationen in ihren Anleitungen bringen und nur solche, die zwingend nötig sind. Diffuse Aussagen sollten vermieden werden und Maßnahmen begründet und Hintergrundwissen gegeben werden, wo es sinnvoll ist.

Unklare Hinweise schaffen viel Nährboden für Spekulationen

Zum Beispiel der Hinweis: „Reinigen Sie die Batterie- und Gerätekontakte bei Bedarf vor dem Einlegen. Überhitzungsgefahr!“ in der Anleitung zum Schranklicht kann schon extrem verstörend sein. Warum sollte ich bei einem Gerät und Batterien, die ich eben erst ausgepackt habe, die Kontakte reinigen? Warum und wozu? Mit was? Warum kann es sonst zu einer Überhitzung kommen? Was wird überhitzt, die Batterien, das Gerät oder beides? Es ist klar, dass ich die Batteriekontakte reinige, wenn mir die Batterien vor dem Einlegen versehentlich in meinen Joghurt gefallen sind. Hier sollte der bereits erwähnte gesunde Menschenverstand greifen. Es mag ja entsprechende Anwendungs- und Störfälle diesbezüglich geben, diese sollten jedoch konkret benannt werden.

Praxisbeispiel Lithium-Knopfzellen

Der 8er Pack eines großen Möbelhauses enthält eine Verbraucherinformation zur Behandlung von 3V-Lithium-Knopfzellen in allen möglichen Sprachen. Dieser besteht aus der Aufforderung, die Batterien außer Reichweite von Kindern zu halten sowie einem Hinweis zur Entsorgung. Zu der Kinderproblematik wird auf lebensbedrohliche Folgen bei Verschlucken hingewiesen. Dabei wird nicht gesagt, was dabei lebensbedrohlich sein kann. Wir wissen nun schon aufgrund unserer Recherchen, was es sein KÖNNTE:

  • Beim Verschlucken kann eine Batterie in der Speiseröhre stecken bleiben, wobei es nicht unbedingt zum Ersticken kommen muss
  • Es könnten Säuren oder Laugen freigesetzt werden
  • Bei Beschädigung der Zelle – und nur dann – können Giftstoffe freigesetzt werden, die allerdings aufgrund der äußerst niedrigen Konzentration kaum Schaden anrichten können.

Wer ganz sicher gehen möchte bei der Entsorgung, kann den Hinweis beherzigen, die Pole mit Klebeband abzukleben. Damit soll ein Kurzschluss vermieden werden.

Diese Ausführungen bezeichnet der Hersteller als Anleitung.

Etwas, das man als Anleitung bezeichnen könnte, befindet sich auf der Rückseite der Anleitung. Hier werden ganz im Stil derartiger Anleitungen (Möbelbranche) alle Hinweise in Form von Bildern gegeben.

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Bild 2| Teilweise schwer zu interpretierende Symbole

Man muss schon genau und zum Teil eine ganze Weile hinschauen, um die Bilder zu verstehen (die Abbildung ist vergrößert). Es wird nur ein einziges Mal mit einer Durchstreichung gearbeitet in Form eines X, um etwas Verbotenes darzustellen. Der Nutzer muss die Darstellungen interpretieren, was bei den meisten Symbolen noch gelingen sollte, jedoch bereits beim ersten Bild treten Irritationen auf, weil man meinen könnte, man darf Batterien nicht mit den gleichen Polen berühren, was aber völlig ungefährlich ist. Ein anderer Hersteller hat das besser gelöst:

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Bild 3| Erläuterungen der Symbole bringen Licht ins Dunkel

Teilweise deshalb, weil die Symbole einerseits in Farbe erstellt und durch erklärende Texte ergänzt wurden sowie Verbotenes eindeutig durchgestrichen ist, andererseits jedoch noch kleiner als die schon schlecht zu erkennenden Symbole des Möbelhauses sind. Hier ist es ein Platzproblem, bei dem Möbelhersteller jedoch nicht, die Verpackung der Knopfzellen wäre groß genug, um die Symbole doppelt so groß aufzubringen. Positiv fällt der Tipp auf, schwache Batterien weiterhin für Geräte mit sehr niedrigem Stromverbrauch zu verwenden. Insgesamt frage ich mich jedoch, wer sich wirklich in der Praxis die Mühe macht, die kryptischen Symbole zu entschlüsseln – die Texte sind in diesem Fall schneller erfasst und verständlicher. Wie ich die Batterien in der gezeigten Weise kurzschließen soll, verstehe ich auch mit der textlichen Ergänzung nicht.

Praxisbeispiel Laser-Wasserwaage

Als drittes Beispiel schaue ich mir die Anleitung einer LED-Wasserwaage an. Die Ausrichtung der Batterien in der Teileübersicht soll der Nutzer anhand der Illustrationen ermitteln. Diese sind sehr schön und detailliert ausgeführt, leider sehr klein, so dass Plus- und Minuszeichen der Batterien auch mit einer guten Lesebrille kaum zu erkennen sind. Und eine Lupe für das Studium einer Anleitung einzusetzen, weigere ich mich aus Prinzip.

Die Batterien selbst kann man jedoch einigermaßen erkennen. Mit etwas Geschick hätte der Illustrator jedoch mit wenig Aufwand die Abbildungen vergrößern können. Das würde den Nutzer weniger ermüden und vor allem weniger ärgern, denn es ist einfach nur ärgerlich, was diesem an Entzifferungsarbeit zugemutet wird, wenn leicht ersichtlich ist, dass es auch anders geht.

Auch in dieser Anleitung steht dann der Hinweis, das Gerät keinen extremen Temperaturen auszusetzen, was wenig hilfreich ist, man kann auch hier nur raten.

Tipp:

Machen Sie klare Angaben. In diesem Fall wird die Umgebungstemperatur in den Technischen Daten angegeben. Auch das ist zu ungenau, hilfreich wäre die getrennte Angabe von Betriebs- und Lagertemperatur.

Der Hinweis, die Batterien bei defektem Gerät zu entfernen, ist in diesem Fall sehr wichtig, denn z.B. bei einem Wackelkontakt kann das Gerät und somit der Laser unbeabsichtigt eingeschaltet werden und z.B. zu Augenschäden führen.

Mysteriöser und gefährlicher Inhalt der Libelle

Interessant sind die Sicherheitshinweise bei Beschädigung der Libelle. Auch hier wären klare Informationen angebracht, damit man nicht auf Vermutungen zurückgreifen muss. Dies ist allerdings meist unerwünscht vom Hersteller, weil er Umsatzeinbußen befürchtet.

Man bekommt bei den Hinweisen zur Wasserwaage das Gefühl, man braucht eine Ausbildung zum Ersthelfer, um dieses Produkt verantwortungsvoll bedienen zu können. Es wird aber nur von „der sich in der Libelle befindenden Flüssigkeit geredet, wobei diese nicht benannt wird. Die Internetrecherche ergibt Hinweise auf Ethanol oder Diethyleter, hat also etwas mit Alkohol zu tun. Vermutlich u.a. wegen der Frostsicherheit, damit die Libelle bei kalten Temperaturen nicht einfriert. Es werden Ersthilfemaßnahmen bei Haut- und Augenkontakt sowie bei Inhalation und Kontakt mit der Mundhöhle gegeben. Man muss schon viel Fantasie haben, um sich vorzustellen, wie es zu solchen Unfällen mit einer Wasserwaage kommen kann. Der Hinweis zur Inhalation gibt vor, die Atemproblemen reinen Sauerstoff zuzuführen. Ok, ich soll also bei Verwendung Zuhause (das Gerät ist nicht für einen gewerblichen Einsatz bestimmt) im Eiltempo reinen Sauerstoff beschaffen. Immerhin kann die Flüssigkeit laut Wikipedia zu rauschhaften Zuständen und sogar zur Narkotisierung führen, allerdings nur in höheren Dosen.

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Bild 4| Ein Teil der umfangreichen Sicherheitshinweise zur LED-Wasserwaage

Nun folgen die Sicherheitshinweise zu den Batterien. Diese beginnen mit dem Signalwort WARNUNG! LEBENSGEFAHR! Ein weiterer Abschnitt beginnt mit EXPLOSIONSGEFAHR! Die Hinweise lesen sich nun, als seien sie von einem Autor verfasst worden, der nicht wirklich sachkundig ist und die in der Bevölkerung allseits bekannten Halbwahrheiten herunterschreibt. Wenn man nun die Augen schließt und sich vorstellt, die auf dem Tisch liegenden Batterien sind Chinaböller, dann kann ein Teil der Hinweise durchaus angebracht sein. Ich jedenfalls habe noch nicht erlebt, dass herkömmliche Batterien explodieren, wenn sie mit Wasser in Kontakt kommen. Es wird u.a. ausgeführt, dass ausgelaufene Batterien das Produkt beschädigen. Wenn aus Batterien eine hoch konzentrierte Säure auslaufen würde, könnte das durchaus der Fall sein. Ich habe jedoch noch nie eine wirkliche Beschädigung bei auslaufenden Batterien gesehen, selbst wenn ein solches Gerät etliche Jahre in meiner Schublade gelegen hat. Die ausgelaufenen und getrockneten Flüssigkeiten lassen sich in der Regel leicht abkratzen und entfernen und das Gerät ist schnell wieder betriebsbereit.

Narrensicher und dreifach: wie intensiv muss der Nutzer informiert werden?

Immerhin wird die Erklärung der korrekten Ausrichtung in dieser Anleitung drei Mal gegeben. Ob das allerdings nötig ist und vor allem zusätzlich zur redundanten (!) Beschriftung auf dem Gehäuse – woran sich 99% der Netzer intuitiv orientieren dürften – eine derartige gebetsmühlenhafte Wiederholung angebracht ist, sei dahingestellt.

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Bild 5| Das Gerät mit narrensicheren Batteriebeschriftungen

 

Auch hier: etwa die Hälfte der Anleitung besteht aus Sicherheitshinweisen, die Teils diffus ausgeführt sind und einige Aussagen enthalten, die zumindest stark anzuzweifeln sind.

Mickriges Bedienkapitel

Der Anteil an Text, der für die Bedienung dieses Kleinods der Messtechnik verwendet wird, ist hingegen sehr mickrig ausgefallen, hier hätte ich mir mehr gewünscht. Da habe ich auf der Verpackung in drei Fotos fast mehr verwertbaren Inhalt gefunden, als in der Anleitung. Deswegen habe ich mir die bildhafte Anleitung der Verpackung auch ausgeschnitten und meiner Anleitung beigelegt – für alle Fälle.

Tipp:

Prüfen Sie Ihre Anleitungen daraufhin, ob sie nicht im Bereich der Sicherheitshinweise zu abschreckend ist und im Bereich der Bedienung Mängel hat. Das führt zu einer Abwertung und dazu, dass der Nutzer die Anleitung enttäuscht und etwas verängstigt zur Seite legt.

Die Batterien der LED-Wasserwaage sind übrigens frei von Quecksilber, dafür enthalten sie etwas Blei, erkennbar an dem Pb-Kürzel unter der Mülltonne. Hier hat Mitsubishi Electric korrekt gekennzeichnet. Es sind sicher auch nur winzige Spuren an Blei enthalten. Und diese kommen, wie wir nun wissen, auch nur zum Vorschein, wenn man die Batterie gewaltsam öffnet. Aber wer tut so etwas schon?! Und selbst dann sind es wie gesagt nur winzige Spuren. Ich würde vermuten, das Amalgam einiger meiner älteren Zahnplomben ist gefährlicher…

Fazit

Nach eingehender Beschäftigung mit dem Thema votiere ich abschließend gegen eine übermäßige Dämonisierung von Batterien und Akkus. Es erreicht mich gerade noch eine Meldung aus der unmittelbaren Nachbarschaft, nach der es in einem Kinderzimmer fast zu einem Brand gekommen ist. Potenzieller Urheber ist ein Handyladegerät, das bereits anfing, zu schmoren. Hier wäre über das Thema Aufsicht zu reden in dem Sinne, dass es immer empfehlenswert ist, Ladegeräte nicht unbeaufsichtigt und vor allem nicht unbeaufsichtigt über Nacht zu betreiben. Man kann nie wissen. Ich habe einen derartigen Hinweis noch nicht in einer Anleitung gefunden, obwohl er sinnvoll ist. Dafür habe ich nicht nur in den hier beschriebenen Anleitungen viele Hinweise gefunden, deren Sinn zweifelhaft ist. Wir sollten jedoch jetzt in der Lage sein, Sinn von Unsinn zumindest besser unterscheiden zu können.

Die Recherche beim Nachbarn ergibt übrigens ein interessantes Schadensbild. Die Brandgefahr ging vom Stecker des Ladekabels aus, oder von der Buchse des Handys. Es muss zu einem Kurzschluss gekommen sein, z.B. dadurch, dass sich z.B. eine Leiterbahn der Mini-USB-Buchse gelockert hat. Durch dauerndes an- und abstecken oder durch Transport der Einheit Handy + Powerbank mit angeschlossenem Stecker in der Hosentasche kann es durch Verbiegungen und anschließender Beschädigung der dünnen Leiterbahnen leicht zu solchen Schadensbildern kommen.

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Bild 6| Kleiner Defekt mit großer Wirkung – zum Glück noch rechtzeitig bemerkt

Auch diese Aspekte sollten in einer Anleitung genannt werden. Das Foto zeigt deutlich die Folgen eines solchen Defekts und die immensen Wirkungen kleiner mechanischer Defekte. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die eigentlichen Gefahren manchmal ganz woanders lauern.

Links

Batteriegesetz

http://www.take-e-way.de/battg/batteriegesetz/

Beispiel für Merkblatt Batteriegesetz bei der HK Hamburg: Auf Startseite Suchwort „Merkblatt Batteriegesetz“ eingeben; es gibt solche Merkblätter zuhauf auch bei Industrie- und Handelskammern

https://www.hk24.de

Focus-Artikel

http://www.focus.de/wissen/technik/giftige-inhaltsstoffe-und-explosionsgefahr-batterie-ausgelaufen-knopfzelle-verschluckt-so-muessen-sie-jetzt-reagieren_id_4055805.html

Details zu Batterien und Akkus

http://www.seilnacht.com/Lexikon/e_batt.html

Umweltbundesamt

http://www.umweltbundesamt.de/themen/ausgelaufene-batterien-keine-gesundheitsgefahr

Dienstleistungen, Wissenswertes und Expertenbeiträge: Themen rund um die Technik-Dokumentation.